Isabel Lopez-Kubben | Trauerverarbeitung durch Bewegung
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Trauerverarbeitung durch Bewegung

Trauerverarbeitung durch Bewegung

Der heutige Gastartikel ist von Katrin Biber, die von alle liebevoll Katy genannt wird. Sie ist ausgebildete Personal-, Gesundheits- und Functionaltrainerin in Innsbruck. Vor ein paar Monaten startete sie ihren Blog SeelensportDort schreibt sie über den körperlichen Aspekt in der Trauer und wie Trauer mit Hilfe von Bewegung verarbeitet werden kann, sodass der Körper wieder zu neuen Kräften gelangt.

Wie ich dazu kam…

Aufgewachsen bin ich mit meinen Eltern und meinen 3 jüngeren Schwestern in Tirol. Ich wohnte jahrelang in Innsbruck und studierte dort Geschichte – Ein relativ unspektakuläres Leben mit seinen Höhen und Tiefen.

Im September 2013 verschwand nach einer Partynacht meine 21 jährige Schwester Larissa. Sie wurde 10 Tage in ganz Österreich gesucht. Nach diesen 10 Tagen wurde herausgefunden, dass ihr Freund sie ermordete und im Inn entsorgte. Ein Schicksalsschlag, der mein ganzes Leben verändert hat. Sie war der wichtigste Mensch in meinem Leben. Und plötzlich nicht mehr da. Nachdem ich mich monatelang durch dieses neue Leben boxte, wurden die körperlichen Folgen immer deutlicher. Die Haare fielen aus, ich bekam Ausschläge, entwickelte diverse Allergien, hatte Konzentrationsprobleme, Schlafmangel, Panikattacken und noch viele andere belastende psychosomatische Störungen. Meine Therapeutin und mein Orthopäde (kurz vor ihrem Tod hatte ich einen Kreuzbandriss und musste operiert werden) beteuerten immer wieder, wie wichtig es sei, dass ich anfange mich zu bewegen und Sport zu machen. Als Trauernde hatte ich aber keine Kraft und Lust mich in ein Fitnessstudio zu zwingen, wo mir alle nur fröhlich und oberflächlich erschienen, während ich permanent mit den Tränen kämpfte. Deshalb begann ich alleine, draußen in einem Park mit dem eigenen Körpergewicht Übungen auszuführen. Ich erkannte, dass sich nicht nur mein Körper veränderte, sondern entdeckte darin die Möglichkeit meine Gefühle besser nach außen zu transportieren und mich mental zu stärken.

Ich beendete mein Geschichtestudium, machte mich auf den Weg nach Wien und absolvierte dort meine Ausbildungen im Sportbereich. Für mich war schnell klar, dass ich anderen Menschen mit der Bewegung in ihrer Trauer helfen möchte. Außerdem wurde es mir zunehmend wichtig, auf die Thematik Trauer in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Denn noch immer ist diese weitgehend Tabu und kaum einer weiß, wie damit umzugehen ist.

Katy Seelensport l

Der Beginn von Seelensport

Im März 2017 kehrte ich nach Innsbruck zurück und startete mit meinem Blog. Dort möchte ich den Menschen Folgendes vermitteln:

  • Sie sind in ihrer Trauer nicht allein und ebenso nicht mit ihren psychosomatischen Folgen
  • Meine Texte und Trainingsbeispiele sollen ihnen Trost schenken und Tipps aufzeigen, wie sie mit diesen Folgen durch Bewegung besser umgehen können
  • Die Themen Trauer, Bewegung und Ernährung stehen hierbei immer in Einklang

Demnächst starte ich in Tirol (und voraussichtlich österreichweit) mit diversen Workshops und Kursen und werde über Personal Trainings Einzelnen oder Familien helfen, ihren Körper nach dem Verlust wieder zu spüren und zu stärken.

Wie funktioniert Seelensport

Nach einem Verlust, nicht nur durch den Tod ausgelöst (Scheidung, Jobverlust, Krankheiten) sind wir in unserer Gesellschaft oft gezwungen schnell wieder zu funktionieren. Uns fehlen Raum und Zeit, um unsere Gefühle raus zu lassen. Dieser Druck schlägt uns wortwörtlich aufs Herz und unseren ganzen Körper. Er reagiert dabei mit den unterschiedlichsten psychosomatischen Störungen. Mit Hilfe meiner Trainings versuche ich diese Folgen einzudämmen, indem ich den Trauernden Raum und Zeit schenke, wo sie ihre Gefühle über Bewegungen raus lassen können. Sobald sich unser Körper bewegt, bewegt sich auch unsere Seele. Die Anstrengung wirbelt Gefühle in uns herum, die dann viel einfacher nach außen gelangen. Wir können weinen und schreien, lachen und uns fallen lassen. Die Trainings können auch einfach eine Art Auszeit schenken, in der der/die Trauernde endlich wieder im Hier und Jetzt sein kann und den Schmerz für kurze Zeit beiseite stellen kann.

Im Speziellen können diese Trainings mental stärken. Beispielsweise assoziiere ich positive Gedanken bei diversen Zugübungen, die dann symbolisch herangezogen werden. Hürdentrainings sollen Ängste vor den kommenden Hürden in der Trauer mindern. Statische Übungen werden verwendet, um das Aushalten des Schmerzes leichter zu machen, Druckübungen, um diesen im Alltag wenn notwendig leichter wegdrücken zu können. Die Auswahl ist groß und ein Einzeltraining ist auf den Trauernden und seine Gefühle individuell zugeschnitten.

Zirkletrainings, Kurse und Workshops sollen den Trauernden zeigen, dass sie nicht alleine sind, dass auch andere mit den Folgen kämpfen. Sie sollen Mut machen und neue Lebensfreude erwecken, und den Körper in einem geschützten Rahmen stärken, wo jeder mit all seinen Gefühlen sein darf.

Sehr viele Menschen haben nach ihrem Verlust begonnen, sich aus den Emotionen heraus zu ernähren, was wiederum oft eine deutliche Gewichtszunahme und damit weitere körperliche Risikofaktoren aber auch seelische Belastung zur Folge hat. Auch hier biete ich Unterstützung anhand Trainings, die Spaß machen sollen und den Körper wieder in eine Balance bringen.

Ich arbeite eng mit Psychotherapeuten und Trauerbegleitern zusammen. Ich bin fest davon überzeugt, dass eine Mischung aus „Darüber-reden“ und sich richtig bewegen, ein guter Weg ist, um wieder ein möglichst glückliches Leben zu erhalten.

Katy Seelensport ll

Mein Rat an dich…

Werde dir deiner Gefühlspalette bewusst, lerne dich selbst kennen und setze dich mit deinen Gefühlen auseinander. Fang langsam an! Beginne mit Spaziergängen, die du regelmäßig einplanst. Achte dabei auf deine Umgebung und nimm sie bewusst wahr. Nach zb. 400 Metern machst du 10 Kniebeugen und sagst dir bei jedem Wiederaufstehen: „Ich kann das alles schaffen! Ich stehe wieder auf!“ Du kannst den Satz auch frei wählen, wenn er dir nicht gefällt. Er sollte dich positiv ermutigen. Gerade nach einem Verlust werfen wir uns zahlreiche negative Gedanken und Sätze an den Kopf. Dagegen kannst du auf diese Art ein Stück weit vorgehen. Und gleichzeitig wirst du einen stärkeren, gesünderen Körper erhalten. Für den Beginn würde ich einen 2km Spaziergang mit 5 Stationen Kniebeugen empfehlen. Wenn du dir dabei noch sportliche Ziele steckst wirst du eher dran bleiben. Such dir dafür einen Tag, ein Datum bis wann du dein Ziel versuchst zu erreichen. Beispielsweise kannst du mit 2 km gehen anfangen und möchtest erreichen, dass du die Distanz dann laufen kannst und das in einer bestimmten Zeit. Wenn wir diese kleinen Ziele erreichen, gibt uns das ein Gefühl davon, dass wir stark sind und viel schaffen können, wenn wir selbst dran arbeiten.

Neue Ziele in der Trauer geben neuen Lebensmut und manchmal sogar einen neuen Lebenssinn. Probier dich aus und berichte mir gerne davon!

Katy Profilbild

Katy, Innsbruck

www.seelensport.at

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